Nachlese KUSO 01

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                                                                                                                                                   Mehr als ein „Auftakt“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der St. Pauler Kultursommer wird zwar offiziell erst am Pfingstsonntag eröffnet, trotzdem klingt es nach Untertreibung, nur von einem Auftakt zu sprechen. Was am vergangenen Sonntag in der Stiftskirche zu hören und zu sehen war, war in mehrfacher Hinsicht bereits ein erster Höhepunkt!  

Der „Senior Conductor“ der heimischen Chorszene, Herwig Wiener-Püschel, hat – wie schon oft – wieder ein außergewöhnliches Projekt zum Erfolg geführt, dieses Mal mit spanischer und lateinamerikanischer Musik. Bereits „Romancero Gitano“ – eine ergreifende Vertonung von sieben Gedichten aus Federico Garcia Lorcas „Poema del Cante Jondo“ für Gitarre, Chor und Soli zu den Themen Leiden, Verrat, Hass, Liebe und Tod – berührte das Publikum sichtlich. Der u.a. am Mozarteum Salzburg ausgebildete ecuadorianische Gitarrist Luis Campos Yépes brachte für Mario Castelnuovo Tedescos Werk das musikalische Gespür für die emotionale Verarbeitung der sozialen und politischen Probleme der Zwanzigerjahre in Dichtung und Musik ein. 

Mit „La Catedral“, drei Sätzen für Gitarre Solo von Augustin Barrios Mangoré (Paraguay), füllte Campos den voll besetzten Kirchenraum akustisch mit einer Komposition, zu der er bei einem Besuch der Kathedrale von Montevideo inspiriert wurde. 

Mit der „Misa a Buenos Aires – Misa Tango“ von Martin Palmeri aus 1996 wurde das Programm schließlich richtig argentinisch. Palmeri verwendet zwar die für den Tango typischen musikalischen Wendungen, dennoch erstarrt das Werk nicht darin, sondern beruht auf einer Vielfalt an Ideen. Durch die Camerata Santicum, einem Streichorchester mit Klavier (Mirjam Neubacher) und Akkordeon (Christoph Hofer), konnte man sich nach Buenos Aires versetzt fühlen. Der Kammerchor Norbert Artner, der den größten Teil des Konzerts zu bestreiten hatte, glänzte mit Präzision, Klarheit und großer dynamischer Differenzierung. Sehr gefühlvoll interpretierte Vanessa Lessjak (Mezzosopran) die solistischen Passagen. Herwig Wiener-Püschel hat mit diesem außergewöhnlichen Programm und der hervorragenden musikalischen Interpretation sich selbst die Latte wieder höher gelegt. 

Auch wenn Konzertbesucher immer wieder gerne Bekanntes hören, konnte man am Ende hören und spüren, wie begeistert dieses Programm aufgenommen wurde und der musikalische Horizont sich geweitet hatte.                                                                                                                                                     RG

Bilder Josef Barth

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