KUSO 11 

Songs of Krajina – Lebensfreude als Klang

 

Ein Konzert, das den Horizont des Kultursommers wieder einmal erweiterte, konnte man am vergangenen Samstag in St. Paul erleben. Serbisch-orthodoxe Gesänge erfüllten teils intim, teils klanggewaltig den Raum der katholischen Stiftskirche. Die 31 Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chors SPD „Jedinstvo“ Banja Luka gewannen mit geistlichen Gesängen in Kürze das Publikum. Heftige Szenen mit ungeahnten Höhen und Tiefen wechselten mit ruhigen Klangbädern und solistischen Einlagen von exzellenten Sopranistinnen, die in lange ausgehaltene und beruhigende Schlussakkorde mündeten. 

Nach der Pause sang der Chor – traditionell gekleidet – bosnisch-serbische Folklore, großteils vom Chorleiter selbst arrangiert. Die slawische Lebensfreude in Form von Klängen sprang auch gleich auf das Publikum über. Dirigent Nemanja Savic´, der den seit 1893 bestehenden Chor seit 30 Jahren leitet, ist auch Leiter der Musikschule, einer Primar- und Sekundarschule sowie Professor an der Akademie der Künste in Banja Luka. Er hat mit seiner Arbeit den sich mit jungen Stimmen ständig erneuernden Chor zu internationalen Erfolgen und vielen Auszeichnungen geführt und mehr als 2000 Auftritte absolviert sowie über 20 erste Preise bei Wettbewerben errungen. Eine besondere Geste setzte er am Schluss mit dem Kärntnerlied „Is schon still uman See“ als Reverenz an das Gastland.

Am Sonntag folgte eine besondere Messe in der Stiftskirche: der katholische Gottesdienst wurde mit orthodoxer Musik gefeiert. Mit der feierlichen musikalischen Gestaltung entstand quasi ein ökumenischer Gottesdienst, der an die Zeit erinnerte, als die Kirche noch nicht in Ost- und Westkirche getrennt war.

Robert Gritsch

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