Nachlese KUSO 10

Acies Quartett – besser geht‘s nicht!

War es Zufall oder Kalkül, das Programm des Kammermusikkonzerts mit dem Acies Quartett mit Schubert zu beschließen, um das Publikum wieder zu versöhnen, nachdem die intensiven Streichquartette von Alfred Schnittke und Giya Kancheli die Konzentration nicht nur der vier Streicher extrem gefordert hatte? Alle Bedenken scheinen aber überflüssig, wie die Begeisterung des Publikums zeigte. „Einstürzende Altbauten“ wäre vielleicht ein passender Titel für das 3. Streichquartett des russischen Komponisten A. Schnittke, der in seinen letzten Lebensjahren bis 1998 eine Professur in Hamburg hatte. Ruinenhaft ragen Bruchstücke tonaler Themen oder Harmonien aus einer aus den Fugen geratenen Architektur – Abbild einer Welt der zunehmenden Destabilisierung trotz nie geahnter Fülle. „Chiaroskuro“ – ein Begriff aus der Malerei um 1600 für den hell-dunkel-Kontrast – betitelte der in Belgien lebende georgische Komponist Giya Kancheli sein Quartett aus 2011, in dem große Kontraste zwischen fein gewebten Klangnetzen und heftigen rhythmischen Ausbrüchen in einer dreiteiligen Form zusammengehalten werden. In seiner Tonsprache vertrauter, aber in seiner Intensität um nichts weniger heftig ist wohl Schuberts Streichquintett in C-Dur aus seinen letzten Lebensmonaten. Er hat es wie kaum ein anderer verstanden, die Bandbreite menschlicher Empfindungen in Töne zu fassen, die niemanden ungerührt lassen. Das in Kärnten gegründete Acies Quartett, das mittlerweile zur Weltspitze vorgerückt ist und zu Recht als Nachfolger des Alban Berg Quartetts gilt, hat dafür den international erfolgreichen österreichischen Cellisten Martin Rummel engagiert. Klangqualität, feinste dynamische Abstimmung und perfekte Harmonie im Zusammenspiel haben beinahe vergessen lassen, dass geistige und physische Höchstleistung in konzentrierter Form dahintersteht. Der lange Applaus war höchst verdient. Das Konzert wird übrigens am …. in oe1 gesendet .                        RG

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