KUSO 09

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Virtuosität als Selbstverständlichkeit

Die Romantik scheint seine musikalische Heimat zu sein und die Virtuosität ist ihm in die Finger gelegt: Ingolf Wunder, vor 22 Jahren noch als „Wunderkind“ mit einem seiner ersten Konzerte in St. Paul zu hören, hat nun beim Kultursommerkonzert Eigenkompositionen, Liszt und Chopin zum Besten gegeben. Wenn seine Finger in die Nähe der Klaviatur kommen, scheinen sie wie von selbst über die Tasten zu gleiten. Mit einer brillanten Technik, die im Pianissimo wie im Fortissimo in jedem Tempo über den Dingen stehend die stummen Noten beseelt, hat man das Gefühl, dass er zu vermitteln versteht, was Liszt oder Chopin beim Komponieren vorschwebte. Dementsprechend wirken auch seine Eigenkompositionen, die aus diesem Fundus schöpfen und weiterentwickeln, bis sie nach ausgedehnten harmonischen Reisen ihr Ziel im heftigen oder zarten Schluss finden, wie improvisierte Paraphrasen aus seiner musikalischen Welt. Nie aber wird die Virtuosität zum Selbstzweck, um großen Eindruck zu machen. Den hat er trotzdem beim Publikum hinterlassen, das aus nah und fern angereist war, um einen der seltenen Auftritte des in der Schweiz lebenden Künstlers in seiner früheren Heimat nicht zu versäumen. Gerade bei diesem Konzert hat sich der Fazioli-Flügel des KUSO mit seinem fantastischen Klang wieder einmal als gute Investition erwiesen. Von der fast ausverkauften Stiftskirche und den begeisterten Besucher:innen sichtlich angetan, war Ingolf Wunder auch mit zwei ausführlichen Zugaben nicht kleinlich.

Robert Gritsch